Justifying Sacrifice

Research output: Contribution to journalArticleScientificpeer-review

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Abstract

In den meisten Antworten auf die Frage ob (Selbst)aufopferung berechtigt sei spielt die Frage ‘um welcher Sache oder Person willen’ das Opfer verlangt wird eine wichtige Rolle. Dieses ‘um…willen’ ist außerdem wesentlich um (Selbst)aufopferung von Selbstmord oder Mord unterscheiden zu können. Zuerst untersuche ich zwei starke Rechtfertigungen von Aufopferung, die insbesondere von Hegel und Levinas entwickelt worden sind. Nach Hegels Rechtsphilosophie ist Aufopferung wesentlich für die sittliche Gesundheit der Völker, weil sie die Individuen ihrer Abhängigkeit des Staates bewusst macht: ohne den Staat sind die Individuen nichts. Levinas führt den Begriff der Aufopferung im Zusammenhang mit seiner Idee des ‘jemanden zur Geisel nehmen’ ein: dass ich zur Geisel genommen werde bedeutet, dass ich durch den Anderen auserwählt werde um mich um des Guten willen aufzuopfern. Die Analyse dieser zwei Rechtfertigungen zeigt, dass die Begriffe der Asymmetrie und der Enteignung für jede Art von Aufopferung wesentlich sind. Die Tatsache, dass diese beide Begriffe auch in der Religion eine so wichtige Rolle spielen, erklärt warum in einer religiösen Kontext vom Opfer so oft die Rede ist. Die Darlegung des Mechanismus der Aufopferung ist aber nicht identisch mit ihrer Rechtfertigung. Ich konzentriere mich auf drei Aspekte einer philosophischen Rechtfertigung: die ethische Priorität der Sache um deren willen das Opfer verlangt wird; die Notwendigkeit der Hoffnung auf ein ‘Wiedergutmachen’ meiner Aufopferung, ohne aber dadurch den asymmetrischen und enteignenden Charakter des Opfers aufzuheben; und schließlich das Bedürfnis einer vernünftigen Diskussion über die Legitimität des ‘um…willen’ der Aufopferung, wobei man sich davon bewusst sein muss, dass keiner dieses ‘um…willen’ legitim inkarnieren, sondern nur repräsentieren kann.
Original languageEnglish
Pages (from-to)313-329
Number of pages17
JournalNeue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie
Volume50
Publication statusPublished - 2008

Fingerprint

Emmanuel Levinas
Georg W.F. Hegel
Art
Person
Religion

Cite this

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publisher = "Walter de Gruyter GmbH",

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Justifying Sacrifice. / Jonkers, P.H.A.I.

In: Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie, Vol. 50, 2008, p. 313-329.

Research output: Contribution to journalArticleScientificpeer-review

TY - JOUR

T1 - Justifying Sacrifice

AU - Jonkers, P.H.A.I.

N1 - Pagination: 17

PY - 2008

Y1 - 2008

N2 - In den meisten Antworten auf die Frage ob (Selbst)aufopferung berechtigt sei spielt die Frage ‘um welcher Sache oder Person willen’ das Opfer verlangt wird eine wichtige Rolle. Dieses ‘um…willen’ ist außerdem wesentlich um (Selbst)aufopferung von Selbstmord oder Mord unterscheiden zu können. Zuerst untersuche ich zwei starke Rechtfertigungen von Aufopferung, die insbesondere von Hegel und Levinas entwickelt worden sind. Nach Hegels Rechtsphilosophie ist Aufopferung wesentlich für die sittliche Gesundheit der Völker, weil sie die Individuen ihrer Abhängigkeit des Staates bewusst macht: ohne den Staat sind die Individuen nichts. Levinas führt den Begriff der Aufopferung im Zusammenhang mit seiner Idee des ‘jemanden zur Geisel nehmen’ ein: dass ich zur Geisel genommen werde bedeutet, dass ich durch den Anderen auserwählt werde um mich um des Guten willen aufzuopfern. Die Analyse dieser zwei Rechtfertigungen zeigt, dass die Begriffe der Asymmetrie und der Enteignung für jede Art von Aufopferung wesentlich sind. Die Tatsache, dass diese beide Begriffe auch in der Religion eine so wichtige Rolle spielen, erklärt warum in einer religiösen Kontext vom Opfer so oft die Rede ist. Die Darlegung des Mechanismus der Aufopferung ist aber nicht identisch mit ihrer Rechtfertigung. Ich konzentriere mich auf drei Aspekte einer philosophischen Rechtfertigung: die ethische Priorität der Sache um deren willen das Opfer verlangt wird; die Notwendigkeit der Hoffnung auf ein ‘Wiedergutmachen’ meiner Aufopferung, ohne aber dadurch den asymmetrischen und enteignenden Charakter des Opfers aufzuheben; und schließlich das Bedürfnis einer vernünftigen Diskussion über die Legitimität des ‘um…willen’ der Aufopferung, wobei man sich davon bewusst sein muss, dass keiner dieses ‘um…willen’ legitim inkarnieren, sondern nur repräsentieren kann.

AB - In den meisten Antworten auf die Frage ob (Selbst)aufopferung berechtigt sei spielt die Frage ‘um welcher Sache oder Person willen’ das Opfer verlangt wird eine wichtige Rolle. Dieses ‘um…willen’ ist außerdem wesentlich um (Selbst)aufopferung von Selbstmord oder Mord unterscheiden zu können. Zuerst untersuche ich zwei starke Rechtfertigungen von Aufopferung, die insbesondere von Hegel und Levinas entwickelt worden sind. Nach Hegels Rechtsphilosophie ist Aufopferung wesentlich für die sittliche Gesundheit der Völker, weil sie die Individuen ihrer Abhängigkeit des Staates bewusst macht: ohne den Staat sind die Individuen nichts. Levinas führt den Begriff der Aufopferung im Zusammenhang mit seiner Idee des ‘jemanden zur Geisel nehmen’ ein: dass ich zur Geisel genommen werde bedeutet, dass ich durch den Anderen auserwählt werde um mich um des Guten willen aufzuopfern. Die Analyse dieser zwei Rechtfertigungen zeigt, dass die Begriffe der Asymmetrie und der Enteignung für jede Art von Aufopferung wesentlich sind. Die Tatsache, dass diese beide Begriffe auch in der Religion eine so wichtige Rolle spielen, erklärt warum in einer religiösen Kontext vom Opfer so oft die Rede ist. Die Darlegung des Mechanismus der Aufopferung ist aber nicht identisch mit ihrer Rechtfertigung. Ich konzentriere mich auf drei Aspekte einer philosophischen Rechtfertigung: die ethische Priorität der Sache um deren willen das Opfer verlangt wird; die Notwendigkeit der Hoffnung auf ein ‘Wiedergutmachen’ meiner Aufopferung, ohne aber dadurch den asymmetrischen und enteignenden Charakter des Opfers aufzuheben; und schließlich das Bedürfnis einer vernünftigen Diskussion über die Legitimität des ‘um…willen’ der Aufopferung, wobei man sich davon bewusst sein muss, dass keiner dieses ‘um…willen’ legitim inkarnieren, sondern nur repräsentieren kann.

M3 - Article

VL - 50

SP - 313

EP - 329

JO - Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie

JF - Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie

SN - 0028-3517

ER -